Geschichtliches

Ein Vorhang öffnet sich


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Das Fenster in die Vergangenheit...


 
Die Geschichte der einstigen Burg ist natürlich eng verbunden mit der Geschichte der Stadt Elsterberg, die im Jahr 2004 ihr 650-jähriges Bestehen nach verliehenem Stadtrecht feiert.  
Informationstafel am Eingang der Burgruine    


Quelle: Geschichtliche Wanderfahrten Nr.28: "Elsterberg und die Vogtländische Schweiz" von P. R. Beierlein, 1932
  Repro


Wer die allererste Burg Elsterbergs gründete und zu welchem Zeitpunkte genau sie erbaut wurde, ist uns urkundlich nicht überliefert. Zweifelsohne waren es die Lobdaburger...

(Diese und die folgenden Informationen sind entnommen aus der Dokumentation "Geschichte des Schlosses Elsterberg" von Oberlehrer Hermann Thiele, 1925 sowie dem "Wanderführer für Elsterberg und Umgebung)

Hinweis: Texte und Illustrationen auf dieser Seite sind nicht in jedem Falle miteinander identisch.

Die älteste Elsterberger Burganlage stand etwa 400 Meter von der jetzigen Burgruine entfernt im Flusswinkel der Elster und des Tremnitzbaches auf einem schmalen, aber sehr steilen Bergrücken, in dem die breite Anhöhe der "Weßnitz" ausläuft. Fast 40 Meter über dem Elsterspiegel sich erhebend, auf drei Seiten teilweise senkrecht aus den beiden Tälern aufsteigend, durch Quergräben vom übrigen Bergrücken leicht abzuriegeln, war diese Höhe für eine kleine Burganlage sehr wohl geeignet und unschwer zu verteidigen...Heute noch heißt die Stätte auf der Weßnitz "Altes Haus".

Den Lobdaburgern mochte das "alte Haus" zu eng geworden sein und so erbauten sie sich auf dem nahen Berg im weiteren Elsterbogen ein neues, größeres Haus: Schloss Elsterberg. Die Sage erzählt, dass beide Schlösser durch eine "lederne" Brücke (Leiterbrücke) und einen unterirdischen Gang miteinander verbinden gewesen seien.

Nach der Gründung des neuen, größeren Hauses (der jetzigen Ruine) zu Beginn des 13. Jahrhunderts verlor "das alte Haus" seine ursprüngliche Bedeutung, wurde nicht mehr bewohnt und verfiel im Lauf der Jahrhunderte immer mehr.










Repro: Blick auf die Burgruine um 1825, Lithographie

Um 1200 begannen also die Herren von Lobdeburg auf einer Erhebung inmitten des Elsterberger Talkessels eine Schlossanlage zu errichten. Es wurde eine ungewöhnlich große Schlossanlage und eine der größten Festungen in der Gegend.
Die lobdeburgische Burg, die heutige Ruine, wurde noch mächtiger und wehrhafter als das „Alte Haus“, die allererste Burganlage auf der Weßnitz. Ein nach drei Seiten jäh abfallender Bergsporn bot zu diesem Bau ein vorzügliches Gelände.
Massen von Bauern und Knechten wurden zu jener Zeit durch Frondienste zur Errichtung der Burg verdingt. Um 1225 muss nach geschichtlichen Überlieferungen das Schloss fertig gestellt worden sein.

Im Verlauf des Vogtländischen Krieges wurde 1354 das Schloss vollständig zerstört, jedoch in 10-jähriger Arbeit noch wuchtiger und schöner wieder aufgebaut. Doppelte Ringmauern mit fünf Wachtürmen von ansehnlicher Stärke umgaben die Burg.

Den Besuchern lockte und lockt es zu jeder Zeit, die Reste des einst so stolzen Schlosses aus der Nähe zu betrachten...


Repro

Repro: "Geschichte des Schlosses Elsterberg" von Oberlehrer Hermann Thiele, 1925


"Haus" Elsterberg, fälschlicherweise oft die "Lobdaburg" genannt, musste eine mächtige Ritteranlage gewesen sein. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich heute noch der Grundriss erkennen.
"...In die äußere, starke, mit Schießscharten versehene Ringmauer sind 5 Rundtürme ... von außerordentlicher Mauerdicke eingebaut. Der das äußere Tor deckende Rundturm weist zwei mit noch vollständig erhaltenen kunstvollen Kuppelgewölben gedeckte Stockwerke auf, von denen aus man das Angriffsgelände durch Schlitzscharten bestreichen konnte. Dieser Mauerturm ist gleich den vier anderen rund in sich geschlossen gebildet. Er besitzt zwei übereinander liegende Eingänge; einer ist zu ebener Erde, der andere war erreichbar entweder durch Leitern oder vom Wehrgang der Ringmauer aus...."

Auszug aus:
"Geschichte des Schlosses Elsterberg" von Oberlehrer Hermann Thiele,
Verlag Theodor Krumm, Elsterberg 1925

Zeichenerklärung:
I-V Rundtürme, VI Berchfrit, T1-T4 Tore, Pf Pforte, Z Zwinger, Kü Küche, Ke Kemenate, B Brunnen, a-d Keller, darüber Palas (P) mit Rittersaal, e-f Keller, darüber Waffen- und Speisesaal, Wohnung der Ritter, g Keller, darüber Wohnung der weiblichen Bediensteten, h-i Marstall, Wohnung der Knappen und ritterlichen Gäste



Im Jahre 1366 war nach der vorangegangenen Zerstörtung des alten Schlosses das neue fertiggestellt, denn in einer Urkunde vom 16. März des selben Jahres wird von dem "neuen Schlosse zu Elsterberg" gesprochen.

Doppelte Rindmauern von ansehnlicher Stärke umgürteten die Burg. Fünf Türme erhöhten die Wehrhaftigkeit. Bastionen, die hier und da das Mauerwerk unterbrachen, dienten dem selben Zweck. Vom Bergfriede lugte der Wärter nach dem Feinde aus.
Wie die Umfassungsmauern und Türme, so waren auch die umfangreichen Keller und die sonstigen Baulichkeiten aus Bruchsteinen hergestellt...

Nach dem Tode des letzten Lobdeburgers der Elsterberger Linie fiel die Burg an seine Erben.
  Repro


Unwillkürlich mag sich jeder Besucher fragen, wie der einst so stolze Bau zu einer Ruine werden konnte?

Durch Erbteilung, Schenkung, Verkauf und Verpfändung einzelner Güter, die nicht eingelöst werden konnten, war die einst so umfangreiche Herrschaft Elsterberg so in ihrem Besitzstande geschmälert, dass Rudolf von Bünau nicht mehr in der Lage war, sich und die jweilige Burganlage mit den geringen Einkünften aus den ihm verbliebenen landwirtschaftlichen Grundstücken und aus dem armen Städtlein selbst zu erhalten. Er sah sich veranlasst, im Jahre 1620 seinen Besitztum an den ihm verwandten Carol von Bose zu veräußern.
Wenn vielleicht nicht auch schon unter Bose, den der lange Krieg fast immer fernheilt, so doch sicher unter den nachfolgenden Besitzern, die niemals Wohnung auf dem Schlosse nahmen, sondern fern von Elsterberg ihren Wohnsitz hatten, begann der Verfall der alten Reste.
Solche und ähnliche Umstände wiederholten sich auch danach in abgewandelter Form und mit unterschiedlicher Intensität, sodass der "Zahn der Zeit" immer mehr an dem Schlossgemäuern nagen konnte...
Zeitweise besaß der Besitzer des Rittergutes in Coschütz die Schlossanalge. Dessen Nacholger trat den Besitz am 25. Mai 1909 gegen einen Betrag von 13 000 Mark an die Stadtgemeinde Elsterberg ab, die sich zum Erhalt des geschichtlich wertvollen Bauwerks verpflichtet hatte...

Querverbindung:

Ergänzende Informationen zur Thematik Ritter/Burg...

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Der Burgbrunnen



Burgbrunnen
Auf dem Plateau findet man diesen Brunnendeckel. Der Brunnen soll einst angeblich 26 Meter tief gewesen sein. Er versorgte einst die Schlossbewohner mit Wasser.  



Grafik aus:
"Die Mühle unter der Teufelskanzel"
Volkssagen, seltsame Begebenheiten und lustige Geschichten des mittleren Elstertales vorwiegend aus den Kreisen Gera-Stadt, Gera-Land, Greiz und Zeulenroda
Band III
Gesammelt, neu erzählt und erläutert von Rudolf Schramm

Herausgegeben vom Kulturbund der DDR
- Kreissekretariat Greiz-

Greiz 1982
  Repro großklicken



Leseprobe zum angegebenen Titel:

Der Elsterberger Burgbrunnen
Während der Belagerung einer Burg war ein Brunnen innerhalb der Burganlage für die Bewohner von größter Bedeutung. Meist mußte er so tief gegraben werden, daß er die Talsohle erreichte. Von einem solch unergründlich tiefen Brunnen weiß die Sage von der Burg zu Elsterberg zu berichten.
Zu der Zeit, als die Burg hoch über der Elster noch keine Ruine und von den Herren von Lobdeburg bewohnt war, fiel es einmal einem Diener ein, eine lebende Ente in den Brunnenschacht zu werfen. Wie erstaunte er, als er anderen Tages dieselbe Ente, der er zum Wiedererkennen ein rotes Bändchen um den Hals gebunden hatte, tief unter den Mauern der Burg wohlbehalten auf der Elster schwimmen sah.
So war es kund geworden, daß Burgbrunnen und Flußlauf durch einen unterirdischen Kanal miteinander verbunden waren.
Ähnliches versuchte man auf der wüsten Nicklasburg auf dem Mühlberg bei Krossen/Elster. Dort warf jemand zwei Enten und einen Hund in das „Gucksloch”, einen tiefen Brunnenschacht, die aber nie wieder ans Tageslicht kamen; erst eine dritte Ente zeigte sich auf der unten vorüberfließenden Elster.
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In der Tiefe des Elsterberger Burgbrunnens soll auch ein Brunnengeist wohnen; er soll sich bisweilen in Gestalt eines grünen Nixes sehen lassen. Er pflegt die Kinder anzulocken und in die Tiefe zu ziehen.

Nach Eisel Nr. 505

Plateau der Burgruine Bilder großklicken


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